Hiobsbotschaft bei Straßenbaumitteln
Nun ist die Katze aus dem Sack: das Geld, das man zuvor mit vollen Händen für teure Neubaustraßen ausgegeben hat, reicht nicht für die Sanierung des bestehenden Straßennetzes.
Der finanz- und verkehrspolitische Größenwahn der Rathausmehrheit findet nun im Diktat der leeren Kassen sein jähes Ende. Die Vorgehensweise erinnert die verkehrspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Margit Haase, an die Wohnungsbaupolitik der DDR, wo Neubauten „auf der grünen Wiese“ Vorrang vor der Sanierung und dem Erhaltung vorhandenen Wohnraums hatten. Der Volksmund titelte diesen ökonomischen und städtebaulichen Unsinn damals trefflich mit „Ruinen schaffen ohne Waffen.“
„Gleiches geschieht jetzt wieder bei den Straßen. Es wurde viel Geld in neue Straßen oder überdimensionierte Ausbauten (z. B. Waldschlößchenbrücke, B 173) gesteckt, die lärmgeschädigten Anwohner von innerstädtischen Straßen dürfen jetzt noch länger auf die Reparatur und Sanierung warten. Und die DVB muss unnötig Geld für Interimslösungen ausgeben. "Radfahrer und Autofahrer dürfen auch weiterhin Slalom auf den schadhaften Fahrbahnen üben.“
Die Grüne Fraktion fordert ein grundsätzliches Umdenken in der Dresd-ner Verkehrsplanung hin zur Förderung der Alternativen zum Kfz-Verkehr und zu kosten- und flächensparendem Bauen. „Nicht so viele Fahrbahnen wie möglich, sondern soviel wie unbedingt nötig, muss die Devise sein,“ so Margit Haase. Die Sanierung der bestehenden Straßen, vor allem der Bautzner, Königsbrücker und Schandauer/Borsbergsstraße ist schnellstmöglich zu planen und zu realisieren.






Die GRÜNEN erwarten erhebliche Verkehrsprobleme durch die morgen beginnende Sperrung der Albertbrücke. „Bei diesem Reparaturkonzept sind Staus vorprogram-miert“, so Stadtrat Thomas Löser. „Die Bürger werden Opfer eines staatlich organi-sierten Verkehrschaos. Jahrelang hat man sehenden Auges die Brücke verrotten lassen, statt eine frühzeitige Sanierung in Angriff zu nehmen. Jetzt müssen kost-spielige Notreparaturen vorgenommen werden.“ Auch im Umgang mit dem Sanierungsbedarf der Albertbrücke zeigt sich die völlig verfehlte Prioritätensetzung in der Verkehrspolitik. „Offensichtlich hat man im Straßen- und Tiefbauamt vergessen, dass es außer der Waldschlösschenbrücke noch andere dringende Baustellen über die Elbe gibt. Während am Waldschlösschen-Areal Millionen Euro Steuergelder versenkt werden, wurde die Sanierung der Al-bertbrücke mit fadenscheinigen Kostenargumenten auf die lange Bank geschoben.“
Zu den Planungen für einen vierspurigen Ausbau der Bautzner Straße zwischen Glacisstraße und Jägerstraße von Baubürgermeister Jörn Marx (CDU), erklärt Stephan Kühn, verkehrspolitischer Sprecher der Stadtratsfraktion Bündnis 90/Die Grünen: “Jörn Marx stellt mit dem Vorschlag, die Bautzner Straße vierspurig auszubauen, einmal mehr seine fehlende Eignung als Baubürgermeister unter Beweis. Wer eine vierspurige Ausfallstraße durch die Äußere Neustadt und das Preußische Viertel fordert, hat noch nichts von integrierter Siedlungs- und Verkehrsplanung gehört. Der vierspurige Ausbau der Bautzner Straße verhindert die notwendige Belebung der Geschäftsstraße. Die Planung sieht keine Parkplätze vor. Wie sollen Gehwegbreiten von unter drei Metern zum Beispiel vor Pfunds Molkerei funktionieren, wo heute schon der Platz fehlt?