Offener Brief an die Gestaltungskommission Dresden

28. April 2017
Thomas Löser

Sehr geehrte Mitglieder der Gestaltungskommission Dresden,
sehr geehrte Damen und Herren,

in den vergangenen Tagen wurde in der Dresdner Presse öffentlich Kritik bis hin zur infrage Stellung Ihrer Arbeit und unseres Gremiums veröffentlicht. Anlass war die Veröffentlichung der Visualisierung des im Bau befindlichen Super-8 Hotels an der Antonstraße, dessen Erscheinung von Teilen der Dresdner Öffentlichkeit als für den Ort grundsätzlich unpassend empfunden wurde.

Wir glauben, dass die Kritik an der Arbeit der Gestaltungskommission ungerechtfertigt ist und an der Sache vorbeigeht und möchten uns an dieser Stelle für Ihre Arbeit in der Stadt Dresden bedanken. Gleichwohl beschädigt die Kritik das Bild einer Kommission, deren Einflussmöglichkeiten sich alleine aus ihrer Anerkennung ergeben. Da uns die Funktion und die Arbeit der Dresdner Gestaltungskommission wichtig ist, halten wir es für richtig, das Selbstverständnis der Kommission nochmals kurz zu umreißen.

Die Gestaltungskommission wurde eingerichtet, um die Baukultur in Dresden zu steigern. Sie wurde nicht als Schiedsrichter im grundsätzlichen Richtungsstreit über Architekturstile gegründet. Entsprechend setzt sich die Gestaltungskommission aus vielfältigen, fachlich anerkannten Vertreterinnen und Vertretern zusammen. Ein Mitglied wurde von der Gesellschaft Historischer Neumarkt Dresden e.V. vorgeschlagen.

In ihrer Arbeit prüft die Gestaltungskommission die eingereichten Entwürfe und versucht innerhalb des Entwurfs Hinweise auf Verbesserungen zu geben. Dazu gehört die Stringenz des Entwurfs oder auch die Bezugnahme auf das Umfeld. Die Gestaltungskommission versucht aus jeder Entwurfsidee das maximale Potenzial herauszuarbeiten und auf Gestaltungsfehler aufmerksam zu machen. Die Gestaltungskommission entwirft jedoch nicht selbst und sie kann auch keine (bestehenden) Baurechte und rechtlich zulässige Baumassen versagen.

Wir gehen davon aus, dass die Anzahl an grundsätzlichen Entwurfsmängeln über die Jahre abnehmen wird, wenn sich die Gestaltungskommission weiter etabliert, sodass man sich in den kommenden Jahren stärker Gestaltungsdetails zuwenden kann. Baukultur ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, sie kann nicht herbei gezwungen werden. Die Gestaltungskommission ist ein wichtiger Baustein in diesem Bemühen um mehr Baukultur. Wir halten es nicht für zielführend, die Arbeit der Kommission für Positionierungen in der Öffentlichkeit zu benutzen.

Gleichwohl halten wir es für sinnvoll, ein Jahr nach der konstituierenden Sitzung die Arbeitsweise der Gestaltungskommission zu diskutieren. Uns ist die Frage wichtig, wie die Arbeit der Gestaltungskommission stärker in die öffentliche Diskussion in Dresden eingebunden werden kann. Wir schlagen vor, die nächste Sitzung testweise öffentlich stattfinden zu lassen. Auch glauben wir, dass es für das Verständnis der Kommission wichtig ist, dass die Medien und die Öffentlichkeit über die Arbeitsweise und die Handlungsmöglichkeiten der Gestaltungskommission informiert werden.

Mit freundlichen Grüßen

Thomas Löser
Hendrik Stalmann-Fischer
Mitglieder der Gestaltungskommision Dresden